Fahrzeugkosten
Lkw-Maut in Deutschland: Mautsätze, CO2-Klassen und Ausnahmen für Fuhrparks
Lkw-Maut Deutschland: aktuelle Mautsätze nach Gewicht und Achsen, CO2-Klassen, Ausnahmen für Fuhrparks sowie Toll Collect und BALM im Überblick.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Lkw-Maut Deutschland gilt für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen.
- Die Mautsätze richten sich nach Gewichtsklasse, Achsenzahl, Schadstoffklasse und CO2-Klasse.
- Für emissionsfreie Lkw entfällt die Maut bis 2031, für ältere Fahrzeuge gelten Aufschläge.
- Toll Collect erfasst die Maut über Fahrzeuggeräte, App oder Terminal.
- Das BALM kontrolliert an Mautbrücken und verhängt Bußgelder bis 20.000 Euro.
Mautpflichtige Fahrzeuge und Strecken: Wer in Deutschland mautpflichtig ist
Die Lkw-Maut in Deutschland wird auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen erhoben. Rechtliche Grundlage ist das Bundesfernstraßenmautgesetz, kurz BFStrMG. Dort sind Mauttatbestände, Ausnahmen und das Erhebungsverfahren geregelt. Wer eine Vorschrift im Detail prüfen will, findet das Bundesfernstraßenmautgesetz im Volltext in der amtlichen Sammlung.
Seit Juli 2024 gilt die Mautpflicht für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse. Zuvor lag die Grenze bei 7,5 Tonnen. Entscheidend ist die Eintragung in den Fahrzeugpapieren, nicht die tatsächliche Beladung. Ein teils leerer Transporter bleibt mautpflichtig, solange das zulässige Gesamtgewicht die Schwelle überschreitet.
Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen
Betroffen sind Lieferfahrzeuge, Handwerkerfahrzeuge, Sattelzüge und Zugmaschinen mit Anhänger. Auch Mietfahrzeuge und Fahrzeuge von Subunternehmern fallen darunter. Der Halter haftet für die ordnungsgemäße Erfassung, unabhängig davon, wer am Steuer sitzt. Für Speditionen mit gemischtem Fuhrpark bedeutet die Grenze, dass auch kleinere Verteilerfahrzeuge erfasst werden.
Wo die Maut gilt
Mautpflichtig sind alle Bundesautobahnen und die meisten Bundesstraßen. Kommunale Straßen, Kreisstraßen, Wirtschaftswege und Privatgrundstücke bleiben frei. In Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Sachsen sind nahezu alle Fernstraßen erfasst. In Hamburg, Berlin und Teilen Sachsens endet die Mautpflicht dort, wo die Route auf kommunales Straßennetz wechselt.
Das Bundesfernstraßenrecht bildet die Grundlage dieser Streckenwidmung. Die einschlägigen Normen sind in der Teilliste B mit Bundesfernstraßenrecht gebündelt.
Ausgenommene Fahrzeuge
- Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen.
- Wohnmobile und Fahrzeuge zur Personenbeförderung.
- Fahrzeuge für Straßenunterhalt, Winterdienst und Müllabfuhr bei hoheitlichen Aufgaben.
- Fahrzeuge für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz.
- Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse.
Die Ausnahmen sind eng auszulegen. Ein Handwerksbetrieb mit einem 4,5-Tonner ist nicht befreit, nur weil das Fahrzeug Werkzeug transportiert. Wer sich auf eine Ausnahme beruft, muss den Einsatzzweck im Streitfall belegen können.
Mautsätze nach Gewichtsklasse, Achsen und Schadstoffklasse
Die Mautsätze Lkw setzen sich aus einem Grundtarif pro Kilometer zusammen. Dieser staffelt sich nach Gewichtsklasse, Achsenzahl und Schadstoffklasse. Seit Juli 2024 kommt ein CO2-Aufschlag hinzu. Die Sätze gelten bundesweit einheitlich und werden regelmäßig angepasst.
Show the numbers
| 3,5 bis 7,49 t | 2 |
|---|---|
| 7,5 bis 11,99 t | 2 |
| 12 bis 17,99 t | 2 |
| 18 t und mehr | 4 |
| 18 t und mehr | 5 |
| 18 t und mehr | 4 |
| 18 t und mehr | 4 |
Die Tabelle zeigt den Grundsatz: Mehr Gewicht und mehr Achsen erhöhen den Satz. Ein 40-Tonner mit vier Achsen liegt deutlich über einem 12-Tonner mit zwei Achsen. Ältere Schadstoffklassen zahlen den Höchstsatz, weil sie den schlechtesten Tarif erhalten.
Für Fuhrparkleiter ist die Achsenzahl ein unterschätzter Faktor. Ein Fahrzeug mit Liftachse kann je nach Betriebszustand unterschiedlich eingestuft werden. Prüfen Sie die Eintragung in den Fahrzeugpapieren und melden Sie Änderungen zeitnah an Toll Collect. Die gesetzliche Grundlage der Tarifbildung und die zugehörigen Verordnungen finden sich in der Teilliste M der Gesetze.
Bei einer Jahresfahrleistung von 100.000 Kilometern summieren sich die Unterschiede schnell auf mehrere Tausend Euro pro Fahrzeug. Eine Modellentscheidung, die im Einkauf mehrere Hundert Euro günstiger wirkt, kann über die Maut teurer werden.
Die CO2-Klassen der Lkw-Maut und ihre Einstufung
Seit Juli 2024 wird die Maut zusätzlich nach CO2-Emissionen gestaffelt. Fahrzeuge werden in fünf CO2-Klassen eingeteilt. Klasse 1 umfasst Fahrzeuge mit hohem Ausstoß, Klasse 5 emissionsfreie Fahrzeuge. Grundlage ist der CO2-Wert pro Kilometer, den der Hersteller für den Fahrzeugtyp angibt.
Emissionsfreie Lkw, also batterieelektrische oder Wasserstofffahrzeuge, sind bis Ende 2031 von der Maut befreit. Für Fahrzeuge der Klassen 1 bis 4 gilt ein Aufschlag auf den Grundtarif. Der Aufschlag liegt je nach Klasse zwischen 0,5 und 3 Cent pro Kilometer. Die genauen Beträge veröffentlicht Toll Collect in der jeweils gültigen Tarifübersicht.
Die Einstufung nimmt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf Basis der Fahrzeugpapiere vor. Fuhrparkleiter melden die CO2-Klasse bei der Registrierung bei Toll Collect. Eine falsche Angabe führt zu Nachforderungen. Für Fahrzeuge, die vor Juli 2024 zugelassen wurden, gelten Übergangsregelungen, die sich nach Zulassungsdatum und Emissionswert richten.
Die CO2-Klassen sollen den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe beschleunigen. Bei Flotten mit hoher Laufleistung kann sich die Umstellung rechnen, auch wenn die Anschaffung teurer bleibt. Das Amtliche Regelwerk zu Maut und Straßenverkehrsrecht ist über Gesetze im Internet zugänglich.
Ein Punkt wird in der Praxis oft übersehen: Die Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge gilt nur für das jeweilige Fahrzeug, nicht für die gesamte Flotte. Ein einzelner E-Lkw senkt also nur die Kosten der Strecken, die er selbst fährt.
Ausnahmen und Ermäßigungen für gewerbliche Fuhrparks
Maut Ausnahmen betreffen nur bestimmte Fahrzeuge und Einsatzzwecke. Eine generelle Befreiung für Handwerk, Lieferverkehr oder kommunale Betriebe gibt es nicht. Wer die Ausnahme in Anspruch nimmt, muss sie belegen können.
Die wichtigsten Fallgruppen:
- Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse.
- Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen.
- Fahrzeuge für Straßenunterhalt, Müllabfuhr und Winterdienst bei hoheitlicher Aufgabe.
- Ausschließlich mit Strom oder Erdgas betriebene Fahrzeuge nach den Übergangsregeln.
- Fahrzeuge für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz.
Eine Ermäßigung besteht für Fahrzeuge im Kombinierten Verkehr. Wird ein Teil der Strecke per Bahn oder Binnenschiff zurückgelegt, kann die Maut für den Straßenabschnitt reduziert sein. Voraussetzung sind Nachweise über den Umschlag und die Buchung des Vor und Nachlaufs. Die Einzelheiten stehen in der Mautverordnung.
Für Fuhrparkleiter lohnt sich eine jährliche Prüfung, welche Fahrzeuge tatsächlich mautpflichtig sind. Fahrzeuge, die überwiegend im Nahverkehr auf kommunalen Straßen fahren, verursachen möglicherweise gar keine Maut. Fahrzeuge auf Fernstrecken dagegen sind der größte Kostenblock.
Toll Collect: Mauterfassung, Fahrzeuggeräte und Buchung
Der Toll Collect Fahrzeuggerät Betrieb ist der Standard für gewerbliche Flotten. Das Gerät wird an der Windschutzscheibe montiert und kommuniziert automatisch mit den Mautbrücken. Der Fahrer muss nichts weiter tun, solange das Gerät funktioniert und korrekt angemeldet ist.
Alternativ lässt sich die Maut über die Toll Collect App oder an Terminals an Raststätten buchen. Die manuelle Buchung ist fehleranfällig und bindet Zeit. Für Flotten mit mehreren Fahrzeugen ist sie nur als Rückfalllösung sinnvoll, etwa bei Gerätedefekt.
Für größere Fuhrparke bietet Toll Collect Flottenverträge an. Die Abrechnung erfolgt monatlich, aufgeschlüsselt nach Fahrzeug, Strecke und Zeitpunkt. Das erleichtert die Zuordnung der Kosten zu Kostenstellen und Touren. Bei Fahrerwechseln bleibt das Gerät im Fahrzeug, die Zuordnung erfolgt über die Fahrzeugnummer.
Wichtig ist die Pflicht zur Anmeldung, sobald ein Fahrzeug mautpflichtig wird. Ein Neufahrzeug mit 4,2 Tonnen zulässiger Gesamtmasse muss vor der ersten Fahrt im mautpflichtigen Netz registriert sein. Wird die Mautpflicht durch eine Zulassungsänderung ausgelöst, gilt dasselbe.
Ein defektes Gerät entbindet nicht von der Mautpflicht. Der Fahrer muss dann manuell buchen und den Nachweis mitführen. Fuhrparkleiter sollten Ersatzgeräte oder eine dokumentierte Rückfallprozedur vorhalten.
BALM: Kontrolle, Nachweispflichten und Bußgelder
Die BALM Mautkontrolle erfolgt automatisch an Mautbrücken und zusätzlich durch mobile Kontrollteams. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität prüft, ob die Maut korrekt entrichtet wurde. Bei Auffälligkeiten fordert die Behörde Nachweise vom Halter an.
Nachweispflichten betreffen vor allem die Zuordnung von Fahrzeug, Strecke und Zeitpunkt. Bei automatischer Erfassung liefert Toll Collect die Daten. Bei manueller Buchung muss der Fahrer die Buchungsbelege aufbewahren. Wer eine Ausnahme beansprucht, muss den Einsatzzweck dokumentieren, etwa über Tourenpläne oder Auftragsnachweise.
Die Bußgelder sind empfindlich. Wer die Maut nicht entrichtet, muss mit einer Geldbuße rechnen, die deutlich über der eigentlichen Maut liegt. Bei wiederholten oder vorsätzlichen Verstößen können Nachforderungen und weitergehende Sanktionen hinzukommen. Die Verantwortung liegt beim Halter, nicht beim Fahrer.
Für Fuhrparkleiter folgt daraus eine klare Aufgabe: Die Stammdaten jedes Fahrzeugs müssen aktuell sein. Änderungen an Gewicht, Achsen oder Antrieb wirken sich auf die Einstufung aus und müssen an Toll Collect gemeldet werden. Ein Abgleich der Flottenliste mit der Mautanmeldung gehört in den Quartalsrhythmus.
Mautkosten in der Fuhrparkplanung: Beispielrechnung für eine gemischte Flotte
Ein Speditionsunternehmen in Nordrhein-Westfalen betreibt sechs mautpflichtige Fahrzeuge. Drei Sattelzüge mit 40 Tonnen und vier Achsen der Schadstoffklasse Euro 6. Zwei Verteilerfahrzeuge mit 12 Tonnen und zwei Achsen, ebenfalls Euro 6. Ein Transporter mit 3,5 Tonnen, Euro 6. Die Jahresfahrleistung beträgt 100.000 Kilometer für die Sattelzüge, 60.000 Kilometer für die Verteiler und 30.000 Kilometer für den Transporter.
| Fahrzeug | Satz pro km | Jahresleistung | Mautkosten pro Fahrzeug |
|---|---|---|---|
| Sattelzug 40 t, 4 Achsen | 0,204 € | 100.000 km | 20.400 € |
| Verteiler 12 t, 2 Achsen | 0,176 € | 60.000 km | 10.560 € |
| Transporter 3,5 t, 2 Achsen | 0,091 € | 30.000 km | 2.730 € |
Für die drei Sattelzüge ergeben sich 61.200 Euro, für die zwei Verteiler 21.120 Euro und für den Transporter 2.730 Euro. Die Gesamtbelastung liegt bei 85.050 Euro pro Jahr, ohne CO2-Aufschläge. Kommt ein Aufschlag von 2 Cent pro Kilometer hinzu, steigt allein die Belastung der Sattelzüge um 6.000 Euro.
Wird ein Sattelzug durch einen emissionsfreien Lkw ersetzt, entfällt für dieses Fahrzeug bis 2031 die Maut. Die Ersparnis beträgt in diesem Beispiel 20.400 Euro pro Jahr und Fahrzeug. Über acht Jahre gerechnet sind das mehr als 160.000 Euro, die gegen den höheren Anschaffungspreis gerechnet werden können.
Für die Planung heißt das: Die Maut ist kein Nebenkostenposten, sondern ein Faktor bei der Fahrzeugwahl. Wer Streckenprofile, Achsenzahl und Antriebsart zusammen betrachtet, findet den günstigsten Betriebspunkt. Pauschale Annahmen führen regelmäßig zu Fehlkalkulationen.
Häufige Fragen
Ab welchem Gewicht ist ein Lkw mautpflichtig?
Seit Juli 2024 sind Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse mautpflichtig. Zuvor lag die Grenze bei 7,5 Tonnen. Maßgeblich ist die Eintragung in den Fahrzeugpapieren.
Welche CO2-Klassen gibt es bei der Lkw-Maut?
Es gibt fünf CO2-Klassen. Klasse 1 steht für hohe Emissionen, Klasse 5 für emissionsfreie Fahrzeuge. Die Einstufung erfolgt über das Kraftfahrt-Bundesamt anhand der Herstellerangaben.
Wie funktioniert die Mauterfassung mit Toll Collect?
Die Maut wird automatisch über ein Fahrzeuggerät an der Windschutzscheibe erfasst. Alternativ sind die App und Terminals an Raststätten nutzbar. Für Flotten gibt es eigene Verträge mit monatlicher Abrechnung.
Welche Bußgelder drohen bei Mautverstößen?
Das BALM verhängt Geldbußen, die deutlich über der geschuldeten Maut liegen. Bei wiederholten Verstößen können Nachforderungen und weitere Sanktionen folgen. Verantwortlich ist der Halter des Fahrzeugs.
Gibt es Ausnahmen für Handwerksbetriebe?
Nein, Handwerksbetriebe sind nicht generell befreit. Es gelten die allgemeinen Ausnahmen, etwa für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen oder für landwirtschaftliche Zugmaschinen. Der Einsatzzweck muss belegbar sein.
Wo finde ich die aktuellen Mautsätze?
Die gültigen Sätze veröffentlicht Toll Collect in der Tarifübersicht. Die gesetzliche Grundlage steht im Bundesfernstraßenmautgesetz. Einen Einstieg in die zugehörigen Vorschriften bietet die Teilliste M der Gesetze.