Fuhrparkplanung

Teil von Wie verwalte ich Fahrten, Fahrer und Nachweise im gewerblichen Fuhrpark?

Wie plane ich gewerbliche Touren mit Bedarf, Zeitfenstern und Auslastung?

Tourenplanung gewerblich: Bedarf, Zeitfenster und Auslastung in fünf Schritten planen, Lenk- und Ruhezeiten einhalten, Software und Nachbereitung nutzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Erfasse Bedarf, Anlieferfenster und Standzeiten je Auftrag, bevor du Fahrzeuge einteilst.
  • Baue die Route um die engsten Zeitfenster und rechne Puffer getrennt aus.
  • Plane Lenk- und Ruhezeiten nach der EU-Verordnung (EG) Nr. 561/2006 ein und dokumentiere sie.
  • Steigere die Auslastung über Bündelung und feste Fahrer-Fahrzeug-Paare.
  • Vergleiche nach jeder Tour Plan und Ist, damit die nächste Disposition auf Zahlen beruht.

Bedarf und Zeitfenster in fünf Schritten erfassen

Tourenplanung gewerblich beginnt mit dem Auftrag, nicht mit der Karte. Arbeite die fünf Schritte in dieser Reihenfolge ab, dann steht die Route am Ende fest. Wer zuerst klickt und später rechnet, disponiert Wartezeiten mit.

  1. Bedarf sammeln: Menge, Gewicht, Volumen, Empfänger und Annahmezeitraum je Auftrag notieren.
  2. Zeitfenster prüfen: Anlieferfenster, Öffnungszeiten und Sperrzeiten abgleichen. Enge Fenster erhalten bei der Zuteilung Vorrang.
  3. Standzeiten schätzen: Zeit für Anmeldung, Entladung sowie Tausch von Paletten und Behältern je Stopp kalkulieren.
  4. Route sortieren: Stopps so ordnen, dass Zeitfenster passen und Umwege entfallen.
  5. Fahrzeug und Fahrer zuteilen: das kleinste passende Fahrzeug wählen und die verfügbare Lenkzeit prüfen.

Hältst du diese Reihenfolge ein, fällt die Auslastung als Nebeneffekt an. Weniger Fahrzeuge bedienen dieselben Stopps, und die Zuordnung bleibt für Fahrer und Disposition nachvollziehbar.

Zeitfenster, Standzeiten und Puffer berechnen

Plane Fahrzeit, Standzeit, Pausen und Rückfahrt getrennt. Wer alles in einen Block rechnet, übersieht die Wartezeit am Tor. Prüfe jeden Stopp gegen das engste Fenster des Tages, nicht gegen den eigenen Wunschtermin.

Trage die Zeiten in einem Zeitstrahl auf, nicht in einer Summe. So erkennst du sofort, welcher Stopp den Tag sprengt, und verschiebst ihn vor der Zuteilung statt während der Fahrt.

Beispielrechnung für eine Tour mit acht Stopps

Sieben Fahrsegmente von 12 Minuten ergeben 84 Minuten Fahrzeit. Für Be- und Entladen setzt du je Stopp 10 Minuten an, zusammen 80 Minuten. Daraus folgen 164 Minuten, also 2 Stunden 44 Minuten.

Ein Anlieferfenster von 8 bis 12 Uhr umfasst 240 Minuten, der Puffer beträgt damit 76 Minuten. Bleibt weniger als 20 Minuten Puffer, verschiebe einen Stopp oder teile die Tour auf zwei Fahrzeuge.

Lenk- und Ruhezeiten und Verkehrsrecht einplanen

Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gelten die Lenk- und Ruhezeiten der EU-Verordnung (EG) Nr. 561/2006. Nach spätestens 4,5 Stunden Lenkzeit sind 45 Minuten Pause fällig, teilbar in 15 und 30 Minuten. Die tägliche Ruhezeit beträgt regulär 11 Stunden und lässt sich höchstens dreimal zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten auf 9 Stunden verkürzen.

Die Einhaltung des Fahrpersonalrechts kontrolliert das Bundesamt für Logistik und Mobilität und stellt Regelungen für den gewerblichen Verkehr bereit. Bei langen Umläufen ist die Lenkzeit der begrenzende Faktor, nicht die Route. Prüfe deshalb vor der Zuteilung, ob die Pausen in die Zeitfenster passen.

Halteverbote und Ladezonen richten sich nach der Straßenverkehrs-Ordnung. Plane Ladezonen mit Reserve ein, sonst geht die Standzeit über den Puffer hinaus.

Auslastung erhöhen und Leerfahrten senken

Bündele Aufträge mit ähnlichen Zielen und Zeitfenstern. Prüfe vor jeder Disposition, ob eine geplante Tour noch Kapazität hat, bevor ein zweites Fahrzeug startet. Als Kennzahlen eignen sich der Auslastungsgrad aus genutztem Volumen und Gesamtkapazität, die Stopps je Stunde und der Anteil der Leerfahrten an allen Kilometern.

Nimm Rückladungen mit. Leergut, Retouren und Ersatzteile gehören auf den Rückweg, weil ein leeres Fahrzeug ähnlich viel kostet wie ein beladenes, aber keinen Erlös bringt.

Zur Unfallverhütung und zum sicheren Betrieb von Fahrzeugen stellt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung Vorgaben und Hinweise bereit (DGUV, Thema Fahrzeuge). Feste Fahrer-Fahrzeug-Paare verkürzen Rüstzeiten, weil Beladung und Routinen vertraut sind.

Software auswählen und Touren nachbereiten

Bei wenigen Fahrzeugen trägt eine Tabelle die Disposition. Sobald mehrere Fahrer, enge Zeitfenster und Nachweispflichten zusammenkommen, hilft Software, die Aufträge, Stopps und Ist-Zeiten zusammenführt. Vimcar Fuhrparkmanagement beschreibt Funktionen und Preise einer solchen Lösung. Webfleet beschreibt Ortung, Fahrtenverwaltung und Tourenplanung als Funktionen seiner Flottenlösung (Webfleet: Fahrzeugortung und Tourenplanung).

Die Nachbereitung entscheidet über die nächste Woche. Vergleiche je Tour die geplanten mit den gefahrenen Zeiten, gehaltene Fenster und die Auslastung. Wiederkehrende Abweichungen führen zu mehr Puffer, zu einer anderen Reihenfolge oder zu einem zusätzlichen Fahrzeug.

Häufige Fragen

Welche Zeiten trage ich zuerst ein?

Anlieferfenster und Standzeiten je Stopp. Sie begrenzen die Tour stärker als die Fahrzeit, weil sich Fahrtzeiten leichter verschieben lassen als Öffnungszeiten.

Für welche Fahrzeuge gelten die Lenk- und Ruhezeiten?

Im Güterkraftverkehr ab 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Bei leichteren Fahrzeugen greifen weiterhin das Arbeitszeitgesetz und die Vorgaben der DGUV.

Woran erkenne ich eine schlechte Auslastung?

An vielen Stopps bei niedrigem Auslastungsgrad und an Fahrten mit nur einem Ziel. Bündele solche Aufträge oder lege sie auf einen festen Umlauf.

Wann lohnt sich Tourenplanungssoftware?

Wenn mehrere Fahrer, enge Zeitfenster und Nachweispflichten zusammenkommen. Kleine Flotten fahren mit einer Tabelle oft günstiger.

Was tun bei knapper Kapazität?

Verschiebe Stopps mit weiten Zeitfenstern auf die nächste Tour und halte die engen Fenster frei. Prüfe zusätzlich, ob ein Kurier die Spitze abdeckt.

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